Tuesday, 23. september 2008 2 23 /09 /Sept. /2008 14:56

von Stephan Gemke - veröffentlicht in: E-Commerce/Internet: Strategien


Das Web zeichnet sich durch zwei Charakteristika aus: Hohe Wettbewerbsintensität und umfassende Vernetzung. 
 

Um dementsprechend im Internet zu bestehen, bedarf es schneller Verbreitung, hoher Bekanntheit und großer Nutzerschaft.

Als dominierende Markteintritt- und Preisstrategie hat sich folglich die sogenannte „follow the free“-Strategie etabliert, die aber auch einige Gefahren beinhaltet.

 

Denn dieses Preismodell bedeutet schließlich, dass der Anbieter sein Produkt kostenlos zur Verfügung stellt.

Dies ist auch notwendig, denn in heiß umkämpfen Sektoren kann man die breite Masse an Usern nur durch die kostenlose Verfüg- und Nutzbarkeit ansprechen und gewinnen.

Anbieter erhoffen sich, dass sich durch die kostenlose Abgabe und/oder Bereitstellung schnell viele User finden lassen, so dass, aufgrund dieser Netzwerkeffekte, sich schnell eine breite Kundenbasis aufstellt und der sog. Lock-In-Effekt eintritt. Die Netz- und Skaleneffekte sind folglich sehr wichtig und im Bezug auf „Economies of Scale“ ermöglichen sie, dass aus den hohen fixen Anfangsinvestitionen und Herstellungskosten (First-Copy-Costs) nach einer längeren Zeitspanne überproportionale Erträge werden.

Durch gezieltes „Versioning“, sprich durch kostenpflichtige Zusatzleistungen und Produktversionen, sollen dann im zweiten Schritt die Erlöse generiert werden.

 

Dies gelingt nicht immer, da sich der sog. „paid content“ durch gewisse Faktoren nicht durchsetzen lässt, aber es gibt einige Unternehmen, die es trotz alledem geschafft haben. Network Associates, vormals McAffee, ist eines dieser Unternehmen, die die „follow the free“- Strategie ziemlich gut umsetzen konnten.

 

Jedoch birgt diese Strategie bestimmte Risiken und Schwächen.


Sie ist nur bei digitalen Gütern und Diensten zu empfehlen, bei denen erhebliche Netz- und Skaleneffekte (hohe Reichweiten) entstehen können.

Einige Produkte, die über das Internet vertrieben werden können, wie z.B. Blumen oder Lebensmittel, profitieren nicht von Netz- und Skaleneffekten und dementsprechend ist dabei die „follow the free“-Strategie nicht nützlich.

 

Die „Free-Rider“-Mentalität ist das zweite Risiko der „follow the free“-Strategie. Insbesondere der Medienbereich ist davon betroffen, denn journalistische Arbeit, hat zumeist keinen Wert mehr und da sich bisher noch nicht allzu viel mit Online-Werbung verdienen lässt, befürchten Verlage um ihre Geschäfts- und Renditeziele. Der User kann aus einer Unmenge an freien Produkten wählen und ist es an sich gar nicht mehr gewohnt, für bestimmte Leistungen zu bezahlen. Des Weiteren lassen noch eine Vielzahl von weiteren Gründen, die Realisierbarkeit von kostenpflichtigen Premiumangeboten und Upgrades unwahrscheinlich erscheinen.

 

Hinzu kommt, dass der User auch nicht dumm ist. Er weiß, dass kostenloser Web-Content werbefinanzierter Web-Content ist. Solange die Möglichkeiten, durch Online-Werbung ausreichend Geld zu verdienen, noch nicht voll ausgeschöpft sind, wird er deswegen weiter ein „Free-Rider“ bleiben.

Zudem ist ihm bewusst, dass die variablen Kosten quasi gegen Null tendieren und nur die fixen Kosten sehr hoch sind, die sich aber durch Netz- und Skaleneffekten revidieren. Grenzkosten fallen also nicht an, dafür lässt sich aber, eben durch die besagten Netz- und Skaleneffekte, ein steigender Grenznutzen erreichen.

Wenn es folglich keine Kosten verursacht, einen zusätzlichen User zu bedienen, dann lässt sich ‚paid content‘ entsprechend nur sehr schwer durchsetzen.

 

Falls der User dennoch einen kostenpflichtigen Service nutzen sollte, beispielsweise aufgrund eines erhöhten Nutzens, dann muss der Preis sorgfältig kalkuliert werden. Ich für meinen Teil bin nämlich nicht bereit, bei Online-Ablegern gewisser Zeitungen, ein bis zwei Euro für eine nachträgliche Einsicht des Artikels zu bezahlen, wenn die Zeitung an sich für den gleichen Betrag am Kiosk erhältlich ist. Dann stimmt für mich die Verhältnismäßigkeit nicht mehr, schließlich würde ein Artikel genauso viel kosten, wie die gesamte Zeitung.

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