Internet-Strategie: "First Mover"
Ein Unternehmen, das als erstes einen Markt betritt oder ein neues Produkt vertreibt, gilt als First Mover. Dieses Unternehmen besitzt damit entscheidende Wettbewerbsvorteile, die bei guter Unternehmensführung von Nachahmern und Konkurrenten bisweilen gar nicht oder nur sehr schwer wettgemacht werden können.
Was sich genau hinter der First-Mover-Strategie versteckt, soll Ihnen dieser Artikel verdeutlichen.
Die Wettbewerbsvorteile für First Mover sind demnach diese:
- Besitz der Möglichkeit, einen neuen Markt zu definieren und auszunutzen. Das heißt, durch die Abwesenheit von Konkurrenten befindet man sich, zumindest kurzzeitig, in einem Monopol und dementsprechender Marktmacht, aber auch mittelfristig bleibt man im Besitz der Mehrzahl der Marktanteile! Zudem kann der jeweilige Markt mit dem jeweiligen Produkt „gleichgesetzt“ werden, wie dies z.B. bei Coca-Cola im Falle der Cola-Getränke ist.
- Erfahrungsvorsprung in Produktion, Aggregation, Organisation, Marketing, Vertrieb usw. gegenüber nachkommenden Wettbewerbern. Dies führt zu Effizienz und Kostenreduktion. Ein Vorteil, den Konkurrenten nicht irgendwie abkupfern können, sondern vielmehr, müssen sie selbst die Lernkurve durchlaufen. Zudem besitzen First-Mover Erfahrungen mit Kunden und verfügen über Feedback, dass sie nutzen können, um noch spezifischer und kundenfreundlicher zu werden.
- Zeitvorsprung, der zum kontinuierlichem Ausbau von Kapazitäten, Kundenakquise und zu Verbesserungen/ Innovationen in Produktion, Organisation, Design, User Interface, Kaufabwicklung, Vertrieb, usw. genutzt werden kann, um Wettbewerber immer ein Stückchen hinter sich zu lassen und um den Marktanteil zu halten.
- Kooperationen und individuelle Verträge (z.B. Allianzen, Joint-Ventures, Netzwerke, etc.) mit Lieferanten, Spediteuren etc. bilden und abschließen. So bindet man sich gegenseitig und man kann auf verlässliche Partner bauen.
- Enge Kundenbeziehung aufbauen (durch Markenmanagement, CRM, Preismodelle) so dass sich finanzielle und psychologische Wechselkosten / „Switching-Costs“ für die Kunden erhöhen. Langjährige und vertrauensvolle Beziehungen zu zufriedenen Kunden sind enorme Barrieren für Konkurrenten und für die Kunden selbst, da ihnen durch einen Wechsel ein Nachteil entstehen würde.
- Finanzielle Mittel. Durch ihre (anfängliche) Marktmacht sollten First Mover über mehr und liquideres Kapital verfügen, was im Bezug auf die unternehmerische Weiterentwicklung sehr von Vorteil ist. So könnten Schulden abgebaut, Investitionen vermehrt durch Eigenkapital finanziert und auch „riskantere“ Projekte durchgezogen werden.
Zusammengefasst lassen sich alle Vorteile zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil zusammenbringen, nämlich der Bildung von Barrieren.
Da diese First-Mover-Strategie so erfolgsversprechend erscheint, werden sich immer mehr Nischen- und Spezialanbieter bilden, damit große Märkte zu Einzelnen und Kleineren werden, so dass möglichst viele First-Mover entstehen können.
Allerdings gibt es natürlich auch gewisse Nachteile.
Die Gefahr, von potentiellen Konkurrenten noch besser imitiert zu werden, besteht zu jederzeit. First-Mover haben oftmals, gerade zu Beginn ihrer Unternehmenstätigkeit, nicht die Zeit, alles sofort richtig zu machen.
Learning by doing ist das Motto und die meisten First Mover setzen ihr Augenmerk auf die get-big-fast-Strategie, um die Marktmacht zu erhöhen und zu festigen.
Dies gibt den sogenannten „Second Movern“ die Möglichkeit, Schwächen der First-Mover auszunutzen!
First Mover, die sich nicht ständig an das dynamische Marktumfeld anpassen und sich dementsprechend modifizieren, werden ihre herausgehobene Marktstellung nicht halten können. Mangelnde Weiterentwicklung ist das Todesurteil eines jeden First-Movers. So werden Trends verpasst, Schwächen nicht abgebaut und Kunden verärgert.