Die Informationsökonomie mit dem knappen Gut Aufmerksamkeit
Wir stehen im Wandel von der Güterökonomie zur Informationsökonomie und damit auch im Wandel von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft.
Mit Güterindustrie ist die Wissenschaft von der Allokation knapper Ressourcen, um Güter zu produzieren und zu distribuieren, gemeint.
Auf die Informationsökonomie transformiert könnte man meinen, dass die neue knappe Ressource nun Informationen wäre, aber dies ist sie nicht. Vielmehr ist es die Aufmerksamkeit, schließlich ertrinken wir geradezu an Informationen!
Was genau ist Aufmerksamkeit?
Zuerst einmal ist es ein Bewusstseinsträger und ermöglicht eine selektive System-Umwelt-Relation, sprich die selektive Aufnahme und zielgerichtete Verarbeitung von Umweltinformationen.
Unsere Aufnahme- und Verarbeitungskapazität ist aber begrenzt – deswegen ist Aufmerksamkeit die neue knappe Ressource.
Dies ist auch gut so, andernfalls würde der moderne Mensch im Chaos ständiger Reizüberflutung untergehen.
Die Aufmerksamkeit hilft uns diesbezüglich. Denn sie bestimmt welche Ereignisse aus der Umwelt von uns aufgenommen werden, mit wie viel Aufmerksamkeit diese bedacht und damit zu relevanten Informationen verarbeitet werden.
Dies hängt entscheidend von folgenden Faktoren ab:
- Von situativen Faktoren (soziale, symbolische und materielle Determinante)
- Persönlichkeits-/ Präferenzstrukturen
In einer zunehmend vernetzen, wettbewerbsintensiven und innovationsforcierenden Gesellschaft ist dieser Aufmerksamkeits-Verarbeitungsprozess sehr wichtig.
Neuigkeitswert einer Information bestimmt Wachstum und Wohlstand
Schließlich ist eine Wissensgesellschaft durch dynamisches Wachstum von Informationsangeboten gekennzeichnet und nur wenn Aufmerksamkeit auf Information triff, kann dadurch Handeln und Wissen entstehen.
Aufgrund der begrenzten Aufmerksamkeitskapazität gibt es ein Ungleichgewicht zwischen Informationsangebot und Informationsnachfrage. Wenn gewissen Informationen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, bleiben diese Informationen unwirksam!
Der fundamentale Unterschied zwischen der Güterökonomie und der Informationsökonomie besteht folglich darin, dass Information nicht dinglich ist! Informationen kann man zwar kommunizieren und damit in gewisser Weise distribuieren, aber das allein steigert nicht den Wohlstand. Sondern vielmehr ist es der Neuigkeitswert einer Information, bezogen auf den vorherigen Wissensstand des Empfängers, der Wissenszuwachs und mit entsprechendem Handeln Wachstum ermöglicht.
Die Nachfrage nach Informationen wird deshalb vom Nutzen, den die Info dem Nachfrager stiftet, abhängig sein. Die Information muss neu und inspirierend sein!
Dementsprechend gilt für das Informationsangebot, dass die Information möglichst neu, informativ, interessant, tiefgründig und verständlich sein muss.
Der Nachfragenutzen ergibt sich aus der Kosten-Nutzen-Differenz, oder allgemeiner ausgerückt aus der Wert-Erwartungs-Differenz.
Hierbei kommt die zweite knappe Ressource ins Spiel: Die Zeit.
Denn die Kosten basieren auf folgenden Faktoren:
- Aufnahme von Informationen (verstehen)
- Abwägung, ob es sich lohnt, nach Informationen zu suchen und sich damit zu beschäftigen
- Abwägung, welche Informations- und Kommunikationsangebote genutzt werden sollen
Gerade in Zeiten, in denen man von Informationen überschwemmt wird und geleichzeitig schnell und oft wichtige Entscheidungen treffen muss, muss das Informationsangebot möglichst kostengünstig für den Empfänger aufbereitet sein. Ansonsten verliert man zu viel Zeit, die man effektiver hätte nutzen können. Folglich gilt es, dass Informationen leicht zu verstehen sein müssen, einen hohen Nutzwert aufweisen müssen und der persönlichen Präferenz entsprechend kommunikativ aufbereitet werden müssen.
Grenznutzen der Information ist entscheidend
Gemäß Beckers „informationsökonomischem Modell der Zeitallokation n Kommunikationssituationen“ werden die Informationen nachgefragt, deren Grenznutzen pro Zeiteinheit größer ist, als der Grenznutzen aus allen anderen Tätigkeiten in der Restzeit.
Allerdings ist dieses beschriebene Kosten-Nutzen-Modell teils zu theoretisch.
Denn man unterstellt eine vollständige Transparenz und zweckrationales Suchverhalten. Dies stimmt nur nicht, da asymmetrische Informationen trotzdem gegeben sind und man durch die Vielfalt des Webs schnell abgelenkt oder auch verführt werden kann. Stetes zweckrationales Suchen kann daher von keinem Menschen angenommen, geschweige denn verlangt werden.
Zudem wird der intrinsische (motivationale) Eigenwert für die Suche bzw. Aufnahme und Verstehen von gewissen Informationen zu bestimmten Themen nicht voll berücksichtigt.
Weitere individuelle Nutzenpräferenzen, wie Werte, Gewohnheiten, Normen, soz. Umfeld) werden auch nur unzureichend berücksichtigt.
Die Wert-Erwartungs-Theorie
Aufgrund dieser Grenzen des Kosten-Nutzen-Ansatzes empfiehlt sich die Wert-Erwartungs-Theorie, da diese den Kosten-Nutzen-Ansatz verallgemeinert und damit nicht-rationale Gründe mit einschließt. Die WE-Theorie postuliert dementsprechend, dass der subjektive Gesamtgewinn ausschlaggebend für die Aufnahme und Verarbeitung der Information ist.