Das Internet und die Transaktionskosten
Dass das Internet und das Web die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht beeinflusst ist nicht neu. Dass wir auf dem schnellsten Wege zu einer Informationswirtschaft sind hat man auch schon oft gehört und dass im Zuge dessen die Transaktions- und Informationskosten eine besondere Bedeutung zukommt überrascht auch wenig. Inwiefern und wieso Transaktionskosten eine solch bedeutsame Rolle einnehmen ist aber nicht ganz so geläufig und deshalb hab ich einige Abschnitte dazu vorbereitet.
Verringert das Web die Transaktionskosten oder doch nicht?
Transaktions- und Informationskosten gehören zu den Marktinformationen und zu der Marktkommunikation, da ohne Informationen, sowohl Ex ante (also vor der Transaktionsausführung), als auch Ex post (nach der Transaktionsausführung) ein Markt nicht funktionieren kann. Unter Transaktionskosten versteht man „Such-, Anbahnungs-, Informations-, Zurechnungs- Verhandlungs-, Entscheidungs-, Vereinbarungs-, Abwicklungs-, Absicherungs-, Durchsetzungs-, Kontroll-, Anpassungs- und Beendigungskosten.“ Sie werden von Anbietern und Nachfrager aufgewendet und erhöhen die Gesamtkosten eines Gutes für den Nachfrager, wie folgende Abbildung verdeutlicht.
Da das Web ein reines Informationsnetz ist, also jede Information irgendwie zugänglich und mit einander verknüpft ist, ist anzunehmen, dass man notwendige Informationen schneller und leichter erreicht. Auch ist die Kontaktaufnahme durch das Web vereinfacht, günstiger und schneller, denn das Internet sorgt für den „dead of Distance“, für die schnellere und permanente Erreichbarkeit und eine schnellere Möglichkeit zu antworten. Abwicklungskosten wirken sich vor allem im Bereich von digitalen Gütern kostengünstiger aus, da ein nur ein Download vonnöten ist, wie z.B. bei mp3-files. Auch können je nach Dienstleistung die Beendigungskosten sinken, da dazu oftmals nur ein Klick auf „Deinstallieren, Löschen, Mitgliedschaft beenden“ reicht.
Paradoxon: Transaktionskosten sinken und wir ertrinken in Informationen
Allerdings ist dies nur eine einseitige Betrachtung, denn die User leiden zunehmend an einem Informationsüberhang. Zudem mangelt es an Möglichkeiten zur Bewertung der Quelle, sprich wie sicher, zutreffend und seriös sie ist.
Außerdem hängt der Informationsumfang auch immer vom gesuchten Produkt, Anbieter und Service selbst ab, vom Internethandling des Users, vom Preis, von der Internetverbindung, von der zur Verfügung stehenden Zeit, von der Risikobereitschaft und der Erfahrung und Zufriedenheit des Users mit dem Informationsmittler ab. Hinzu kommt, dass die interne Hierarchie von Unternehmen und Verfügungsrechte, wie Miete, Lizenzen durch das Internet noch nicht allzu sehr verändert wurden, so dass sich hierbei eine Transaktionskostensenkung noch nicht feststellen lässt.
Als erstes Fazit würde ich dennoch sagen, dass Transaktionskosten durch das Internet sinken, es aber nicht immer müssen. Jedoch tun sie es meistens, da es die logische Folge auf die engere Vernetzung und Zusammenarbeit der Internetakteure ist.
Bedeutung für die Unternehmen
In letzter Zeit ist oft vom Enterprise 2.0 die Rede. Angelehnt an das Mitmach-Netz, dem Web 2.0 umfasst Enterprise 2.0 die Möglichkeiten der Wikinomics. Enterprise 2.0 fokussiert sich dadurch sehr stark auf die Unternehmensentwicklungsabteilungen von Firmen und dem Wissens- und Innovationsmanagement.
Die starke Vernetzung des aktiven, wissenden und wissbegierigen Kollektivs ist im zunehmenden Wettbewerb ein immens wichtiger Wettbewerbsvorteil für die Unternehmen und hilft das geistige Potential des Unternehmens abzuschöpfen.
Don Tapscott, einer der führenden Vordenker der Internetökonomie plädiert daher für eine intensivere Integration der IT in die Unternehmenshierarchie und für eine Veränderung der Unternehmenskultur, damit seine Wikinomics-Prinzipen (Öffnung nach außen, Umgang mit externen Partner, Wissensteilung und globales Handeln) sich vollends in die Innovationskraft der Firmen niederschlägt.
Blogs, API’s, Portale, Wikis, Social Communities, Social Bookmarking sind dabei nur ein kleiner Teil der Collaborations-Werkzeuge des Webs 2.0. Flache Hierarchien, Beteiligungsmöglichkeiten, Brainstormingsessions und ein kontinuierlicher, ehrlicher, vielfältiger und umfassender Informationflow sind ebenso erforderlich. Auch dürfen die vielfältigen Möglichkeiten zur Einbindung des Kundenfeedbacks- und Mitgestaltung nicht außer Acht gelassen werden.
Tapscott denkt dabei aber auch noch einen Schritt weiter. Enterprise 2.0 bedeutet nicht nur eine veränderte Hierarchiestruktur und Unternehmenskultur, sondern eine ganz andere Organisationsstruktur.
Meta-Infrastruktur-Anbieter und selbstorganisierende Netzwerke
Führt man sich vor Augen, dass die Digitalisierung der Wertschöpfung alle Bereiche der Wirtschaft erfasst, traditionelle Wertschöpfungsketten erodieren lässt und zu mehr Wettbewerb und Kooperation innerhalb des Unternehmens drängt, dann kann man erahnen, wie sehr die neuen Interaktionsformen die Unternehmensorganisation verändern werden.
Auf digitalen Märkten wird mit Informationsprodukten und informationsintensiven Leistungen gehandelt, und der Unternehmenserfolg hängt zum großen Teil von extrem hohen Netz- und Skaleneffekten ab. Schon allein deswegen müssen Unternehmen kollaborieren. Aber auch weil die Kollaborationskosten fallen sind vertikal integrierte Unternehmen, sprich Konzerne, die möglichst viele bzw. alle Produktionsschritte und jedes Glied der Wertschöpfungskette unter sich haben, nicht mehr zeitgemäß.
Tapscott spricht dabei von Business-Webs.
Solche Business-Webs besitzen eine andere Wettbewerbsstrategie, ich nenne sie „Enger-Breiter-Strategie.“ Enger, weil sich die Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen ausrichten müssen, und breiter, da man zur Wettbewerbsfähigkeit Allianzen bilden muss. E-Commerce Firmen müssen zunehmend spezialisierter werden, und dennoch kompatibel für die Zusammenarbeit mit anderen Spezialunternehmen.
Dass die Kollaborationskosten sinken, heißt, dass die Transaktionskosten auf dem Markt sinken und es deshalb nicht mehr notwendig ist, alle Produktionsprozesse zu vereinen, um kosteneffizienter und wettbewerbsfähiger zu sein.
Dadurch können sich die Unternehmen auf ihre eigentlichen Stärken konzentrieren, müssen aber trotzdem eng mit Partnern zusammenarbeiten, um die angesprochenen Netz- und Skaleneffekte zu erzielen. Kein News-Portal und kein Online-Shop kommen mehr ohne Partnerunternehmen aus. Beispielsweise arbeiten News-Portale mit Vermarktungsgesellschaften, Vermittlungsgesellschaften und technischen Diensten zusammen, damit sie ein möglichst umfassendes, vielfältiges und Mehrwert generierendes Webangebot präsentieren können.
Ein gutes Beispiel ist das sog. „Wintel-Gespann.“ Um aus dem Fachbuch „Die Internet-Ökonomie – Strategie für die digitale Wirtschaft“ zu zitieren handelt es sich dabei um ein Zweckbündnis zwischen Intel und Mircrosoft.
„Microsoft und Intel dominieren seit Anfang der 90er Jahre ein Wertschöpfungsnetz und dadurch die Profitmargen des Computer-Industrie. Grundlage des Erfolges sind die positiven Feedbacks einer komplementären Systemarchitektur, die sich mit zunehmender Vernetzung als Standard ausdehnen konnte.“
Das hier zu beachtende Keyword ist meiner Meinung nach „komplementären Systemarchitektur.“
Ebay, als Auktionshaus, hat ein self-organizing-System aufgebaut, durch das sich Verkäufer und Käufer finden. Es dient aber zunehmend als Plattform für kleine, eigenständige eBay-Shops. eBay kommt dabei eine Art Metastruktur, ein Ökosystem zu gute, die es anderen ermöglicht, selbst zu partizipieren. Vom einzelnen Auktionshaus, zum Marktplatz, ja, zu einem Shoppingcenter.
Weitere Internetfirmen wie Google, Amazon oder Facebook entfernen sich ja auch immer weiter weg von ihrem ursprünglichen Dasein. Google ist nicht nur die Suchmaschine, sondern eine ganze Schaltzentrale für eine Vielzahl von Internetaktivitäten. Amazon verkauft nicht nur Bücher, sondern auch CD’s, Spiele usw. und Facebook als Community-Plattform bietet durch seine Applikationschnittstellen selbständige Features an.
Es ist irgendwo so, als ob innerhalb einiger großen Unternehmen weitere Kleinere, mit einer gewissen Eigenständigkeit entstehen und trotzdem von den Großen ziemlich abhängig zu sein. Es ist, also ob die o.g. großen Internetfirmen eine Art Infrastrukturdienst werden, eine Plattform für zusätzliche Firmen und Geschäftsfelder.
Und je mehr mitmachen, je größer die Geschäftsfelder, je breiter das Produktspektrum, je größer der Marktplatz, je mehr Applikationen, desto höher fallen die Netz- und Skaleneffekte aus und Risiken können breit diversifiziert werden. Gegebenenfalls lassen sich Lock-In-Effekte, Standards und Monopole erreichen.
Eine solche Entwicklung von riesigen Internetfirmen, mit halbwegs selbständigen und selbstorganisierenden Unterorganisationen halte ich für unausweichlich, denn das Internet wird ja zunehmend die Basis unserer gesellschaftlichen Integrität werden.