These 5: Neue komplexe Wertschöpfungsnetze erfordern Wettbewerb und Kooperation
„Neue komplexe Wertschöpfungsnetze erfordern Wettbewerb und Kooperation“
Ja? – Nein? – Inwiefern?
So diffus es auch klingt, aber Wettbewerb und Kooperation schließen sich nicht mehr grundlegend aus. Der Wettbewerb fordert unentwegt zur Innovation, die erst durch Kooperationen machbar werden. Kooperationen sind zur Mehrwertbildung, zur Risikodiversifikation, für die Kundenzufriedenheit und für die Reichhaltigkeit des Webangebots unerlässlich. Lesen Sie selbst, in These 5 zur Internet-Ökonomie.
These 5 lautet im Original so:
„Neue komplexe Wertschöpfungsnetze erfordern Wettbewerb und Kooperation
Die Wettbewerbsstrategie der Business Webs fordert einen strategischen Perspektivwechsel für Medien- und Kommunikations-Unternehmen. Der strategische Fokus wird zugleich enger und breiter als bisher. Enger, da man sich im Wettbewerb auf seine Kernkompetenzen beschränkt, und breiter, da man die Bildung von Allianzen mit als strategisches Element begreift.
Die Strategie der Business Webs stammt aus der systematischen Welt der Informationstechnologie. Bekanntestes Beispiel ist das Wintel-Gespann: Microsoft und Intel dominieren seit Anfang der 90er Jahre eine Wertschöpfungsnetz und dadurch die Profitmargen der Computer-Industrie. Grundlage des Erfolges sind die positiven Feedbacks einer komplementären Systemarchitektur, die sich mit zunehmender Vernetzung als Standard ausdehnen konnte.“
Business Webs und komplementäre Systemarchitektur. Das sind die beiden Schlüsselbegriffe dieser These.
Um den User den geforderten Mehrwert zu bieten, Abgrenzungsmerkmale gegenüber Mitbewerbern zu schaffen und um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind ein engerer und zugleich breiterer strategischer Fokus notwendig. Die Konzentration auf Kernkompetenzen und die Inanspruchnahme von Komplementärleistungen sind gerade im Hinblick auf den Aufmerksamkeitswettbewerb und die Kundenloyalität sehr wichtig. Nie zuvor ist es den Menschen so einfach gemacht worden, zwischen mehreren Anbietern gleicher Leistungen und gleicher Qualität zu wählen. Langsamer Seitenaufbau, diskontinuierliche Erreichbarkeit, schlechter Service, unvollständige Informationen, fehlende Zusatzfeatures, unbefriedigende Usability und dutzende weiter Schwächen dürfen sich E-Commerce Firmen nicht mehr leisten.
Gerade deshalb ist es wichtig, dem User einen zusätzlichen Mehrwert zu bieten und entweder durch Kernkompetenzen (Spiegel,als investigativstes Magazin) oder durch strategische Allianzen (Web-TV-Angebot von SPON & Kicker) dem User einen Mehrwert zu bieten und weitere USP herauszubilden.
Nicht ohne Grund ist Open-Source bei den führenden IT-Unternehmen so beliebt. Das bringt schließlich neue Kompetenz von Außen in das Unternehmen. Auch Facebook, MySpace und auch StudiVZ arbeiten eng an und in Kooperationen, um möglichst viele Anwendungsmöglichkeiten im Netzwerk anzubieten und um bald von einer Social Community zu einer vollständigen Kommunikationsplattform für die User zu werden.
Folglich ist es eigentlich unmöglich, dass ein Unternehmen alles alleine machen kann.
Das wäre zu zeit- und kostenintensiv. Günstiger ist es deshalb allemal, wenn man sich spezialisierte Unternehmen mit der nötigen Expertise zusammenschließt, denn auch durch strategische Kooperationen lassen sich eine Menge Synergiepotentiale ausschöpfen. Bei der „alles-aus-einer-Hand-Methode“ besteht vielmehr die Gefahr, dass man alles nur noch halbherzig machen kann und seinen eignen Ansprüchen und denen des Users nicht mehr gerecht wird.
Hierbei ist Google sehr interessant.
Google versteht es wie kein zweites Unternehmen, seinen Usern ein Rundum-Paket anzubieten. Aus vielerlei strategischen Gesichtspunkten ist dies nachvollziehbar. Zuerst einmal legen viele User darauf Wert, möglichst viel ihrer Internetaktivität von einem Anbieter aus zu bewerkstelligen und wollen sich nicht ständig bei unterschiedlichen Webseiten einloggen. Diesem Trend von einer „Schaltzentrale“ gehen zum einen personalisierte Startseiten, wie Netvibes nach, aber eben auch Google –das nur noch einen Schritt umfangreicher, denn Google ist mit seinen Services kein reiner Aggregator.
Zweiter strategischer Punkt sind die Synergie- und Netzwerkeffekte. Je umfangreicher das Leistungsspektrum von Google, je mehr User kommen und nutzen dieses, desto höher die Verweildauer beim Googleimperium und desto mehr Daten können gesammelt und genutzt werden. Youtube, Gmail, Google Maps, Google News, Google Docs, Google Toolbar, Chrome, und alle weiteren Dienstleistungen von Google lassen sich hervorragend als Suchmaschinenbetreiber und Datensammler nutzen. Google ist dadurch bei fast allen wichtigen Internettrends präsent – zumeist führend.
Drittens hat Google die finanziellen Möglichkeiten und das Know-How, so gut wie jede Leistung aus Eigenregie zu entwickeln und anzubieten. Von dieser finanziellen Seite, kann meines Erachtens nur Microsoft mithalten.
Siehe auch:
Thesen-Überblick: „Die Zehn Thesen zur Internet-Ökonomie“
These 1: „Die Digitalisierung der Wertschöpfung erfaßt alle Bereiche der Wirtschaft“
These 2: „Kritische Masse wird zum Schlüsselfaktor der vernetzten Wirtschaft“
These 3: „Traditionelle Wertschöpfungsketten erodieren“
These 4: „Der Kampf um die Aufmerksamkeit wird zur entscheidenden Wettbewerbsarena“
These 7: „Electronic-Commerce wird zum Normalfall“
These 8: “Digitalisierung erleichtert Produtk- und Preisdifferenzierung”
These 9: „Bisherige Regulierungsmodelle werden obsolet“
These 10: „Normalisierung bei der Börsenkapitalisierung führt zur Auslese bei den Internet-Firmen“