These 2: Kritische Masse wird zum Schlüsselfaktor der vernetzten Wirtschaft

Veröffentlicht auf von Stephan Gemke

„Kritische Masse wird zum Schlüsselfaktor

der vernetzten Wirtschaft“

Ja? – Nein? – Inwiefern?

 

Warum boomen Social Networks, Instant Messenger, Microblogging-Programme, Wikipedia oder Bewertungsportale? Sie alle haben eine gewisse Schwelle, die kritische Masse erreicht. Entweder in der Anzahl von Autoren, Nutzer oder Beiträgen. Jedenfalls ist ihr Inhalt so reichhaltig und ihre Mitgliederzahl so hoch, als dass sie nur noch zum Mitmachen bewegen können. Der Importanz der kritischen Masse für Internetunternehmen verdeutlicht dieser Artikel. Lesen Sie selbst, in These 2 zur Internet-Ökonomie.

 

These 2 lautet im Original so:

 

„Kritische Masse wird zum Schlüsselfaktor der vernetzten Wirtschaft

 

Aus der zunehmenden Vernetzung von Akteuren, Infrastrukturen und Objekten in der Internet-Ökonomie ergeben sich besondere ökonomische Herausforderungen (Erreichen einer kritischen Masse von Kunden, Setzen von Standards), die neuartige Spielregeln erzeugen. Als besonders typisch gilt die Preisstrategie des „Follow the Free“. Sie dient in erster Linie dem raschen Erreichen einer kritischen Masse sowie der Attraktion von Verkehr durch Abgabe von Produkten ohne direktes Entgelt. In einem zweiten Schritt werden Erlöse durch Provisionen, den Verkauf von Werbung, von Komplementärleistungen wie Serversoftware oder von leistungsfähigen Premiumprodukten oder Upgrades generiert.

 

Dies macht deutlich, daß der Wettbewerb in der Internet-Öknomie in erster Linie ein Geschwindigkeitswettbewerb ist. Hierbei stellen positive Feedbacks durch Netzeffekte das vorherrschende Marktmodell auf den Kopf, da der Überfluß den Wert eines Gutes bestimmt. Nur das Erreichen einer kritischen Masse innerhalb kürzester Zeit ermöglicht die Standardsetzung und damit den Kunden Lock-In.“

 

Grundsätzlich stimme ich dieser These zu, wobei sie mir etwas unausgereift daherkommt.

Es stimmt, dass das Erreichen einer kritischen Masse unabdingbar für den Erfolg einer Webpräsenz oder eines E-Commerce Unternehmens ist. Denn je mehr mitmachen, desto größer der Kundenkreis und das Absatzpotential und desto mehr neue User werden angezogen. Man spricht hierbei auch von Netzwerkeffekten. Ein gutes Beispiel sind Social Communities. Gemäß der "Gesetzmäßigkeit" von dem exponentiellem Wachstum hat sich z.B. StudiVZ sehr stark und sehr schnell entwickelt.

Die kritische Masse spielt bei Social Communities vor allem deswegen eine große Rolle, da ein Netzwerk ohne viele Mitglieder keinen Sinn ergibt. Durch gewisse „points of difference“ und ein gutes Timing gelang es StudiVZ zum einem der größten Netzwerke Deutschlands und Europas zu werden. Der Lock-In Effekt besteht jetzt darin, dass jeder sich 1. anmeldet, weil alle anderen auch schon dabei sind und 2. um nicht ausgeschlossen zu werden, jeder drin bleibt.

Mit Lock-In wird dementsprechend die Tatsache beschrieben, dass sich die Netzwerkmitglieder es nicht leisten können, auszusteigen, da die Opportunitätskosten zu hoch.


Allerdings darf man hierbei nicht die Dynamik im Internet und Haltbarkeitszeit von Webtrends außer Acht lassen. Sehr schnell finden sich neue Trends und bessere Angebote, denen die Masse folgt, so dass das Erreichen einer kritischen Masse natürlich anfangs sehr wichtig ist, der Lock-In-Effekt aber auch maßgeblich von der Userzufriedenheit, von der Vollständigkeit und Reichhaltigkeit des Angebots, von den Substitutionsmöglichkeiten abhängt.

 

Was im ersten Satz der These durch die „zunehmende Vernetzung von Akteuren, Infrstrukturen und Objekten“ ausgedrückt wird, ist die Tatsache, dass die Welt immer „onliner“ wird. Die Internet-Ökonomie wird immer vernetzter, wodurch sich die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Unternehmen weiter intensiviert und sich folglich ein Netzwerk vergrößern kann, den Lock-In-Effekt vergrößert und mehr User erreicht.  

 

Zu der Preisstrategie „follow the free“ kann ich im Grunde nichts mehr hinzufügen, außer dass sich durch den intensiven Wettbewerb zwischen den Webseiten, Informationen fast zu 100% kostenlos nutzen lassen, da man sonst seine User vergrault, denn dank der Links und der Suchmaschinen besteht für jede Information die Möglichkeit, dass man sie auch woanders rezipieren kann. Auch deswegen gibt es so viele kostenlose Webangebote und schwierige Umsetzung von paid content.

 

Es wird weiter ausgeführt, dass der Überfluss den Wert bestimmt. Ich finde das zweiseitig ausgedrückt. Zum einen stimme ich dahingehend zu, als dass sich der Wert eines Netzwerkes durch ein verbreitertes Angebotsspektrum erhöht, wie z.B. beim Google-Imperium, aber das würde ich nicht als Überfluss bezeichnen. Ich definiere Überfluss dadurch, dass es mehr als nötig gibt, wodurch sich ja der Wert eines Produktes verringert.

Ein Grund warum normale Nachrichten kostenlos zur Verfügung stehen ist, ist unter anderem auch die Tatsache, dass es sie zur Genüge im Netz gibt. Für einzigartigen Content hingegen, gibt es bestimmt eine Kaufbereitschaft. Hierauf bauen auch die Medienunternehmen, dass sie durch einzigartige Informationen, die es so nirgendwo anders gibt, endlich Geld verdienen können.

 

Zum Schluss möchte ich Ihnen nun eine kleine Aufzählung von Internetunternehmen bieten, die gut in die Regie von Netzwerkeffekten, Lock-In’s und kritischer Masse passen.

 

Mircrosoft mit Windows und dem Office-Paket

-          Fast Monopolstellung, Windows hat sich als Standard für Betriebssysteme festgesetzt und das Office-Paket für Verwaltungsangelegenheiten. Da es eigtl. jeder nutzt, wären die Risiken, andere Software, die nicht kompatibel mit Windows wäre, zu benutzen, ein Risiko.

 

Google, als Suchmaschine

-          Die simple Nutzung und das Design machen Google zur unangefochtenen Suchmaschine Nummer 1. Sie ist aufgrund ihrer Schlichtheit, ihrer Bekanntheit und ihrer Trefferquote sehr beliebt, was die angesprochenen positiven Feedbacks bewirkt. Zudem baut sich Google immer mehr zum riesigen Internetimperium aus, wodurch das Zusatzangebot steigt, welches neue Mitglieder bewirkt bzw. alte hält. Außerdem ist die Googlesuche in vielen Browsern und Programmen zu finden.

 

YouTube, als internationale Videoplattform

-          Keine Videoplattform besitzt mehr Videos, YouTubes Traffic ist unglaublich hoch und im Grunde gibt es nichts, was man dort nicht findet. Zudem sind die YouTube-Videos leicht in Webeiten und Blogs einzubauen und überhaut ist die Usability ziemlich simple.

 

Facebook, MySpace, StudiVZ und Xing

-          Die wohl bekanntesten Social Communities. Facebook hat sich als weltumspannendes Netzwerk etabliert und profitiert maßgeblich von der Integration von Applikationenund der starken Präsenz in der Presse. MySpace ist vor allem bei Musikern beliebt, da diese Plattform die Kommunikation zwischen Musikern, Konzertveranstaltern und Fans erleichtert und intensiviert. StudiVZ besitzt einen hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland und hat sich durch geschickte Zielgruppenorientierung vielversprechende Usergenerationen ins Netz geholt, nämlich insbesondere junge, und damit internetaffine Leute. Bei Facebook und der StudiVZ-Gruppe ist eine wichtige Komponente, die vielfältige Möglichkeit, Selbstprofilierung und Narzissmus zu bedienen. Xing, als Special-Interest-Community verdeutlicht, wie wichtig auch eine konsequente Nischenbesetzung ist. Es ist ein Netzwerk für Berufstätige und Studenten.

 

ICQ, als Instant Messenger in Deutschland

-          Kein anderer Instant Messenger ist in Deutschland verbreiteter als ICQ. Auch hier war Mund-zu-Mund-Propaganda und die Unterstützung von ProSieben sehr hilfreich.

 

 

Siehe auch:

 

Thesen-Überblick: „Die Zehn Thesen zur Internet-Ökonomie“

These 1: „Die Digitalisierung der Wertschöpfung erfaßt alle Bereiche der Wirtschaft“
These 3: „Traditionelle Wertschöpfungsketten erodieren“

These 4: „Der Kampf um die Aufmerksamkeit wird zur entscheidenden Wettbewerbsarena“

These 5: „Neue komplexe Wertschöpfungsnetze erfordern Wettbewerb und Kooperation“

These 6: „Massenmärkte lassen sich durch Gleichzeitigkeit von Kostensenkungs- und Differenzierungsstrategie individualisieren“

These 7: „Electronic-Commerce wird zum Normalfall“

These 8: “Digitalisierung erleichtert Produtk- und Preisdifferenzierung”

These 9: „Bisherige Regulierungsmodelle werden obsolet“

These 10: „Normalisierung bei der Börsenkapitalisierung führt zur Auslese bei den Internet-Firmen“

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